MotoGP Sachsenring - Lap 2 of 3

Let's start the Weekend

Als ich da so bei meinem Kaffee sass, füllte sich der Raum langsam. 

Freunde, Familie, Fans und Gäste trafen nach und nach ein und der Morgen verging vor lauter Begrüssungen und Gesprächen wie im Flug. Es ist immer wieder spannend, wenn man Leute aus dem Umfeld der Fahrer kennenlernt und so einiges über die Anfangszeit der heutigen Profis erfährt.  Auch Kevin Aegerter, Domi’s Bruder, trudelte zusammen mit einigen Freunden in der Hospi ein. Wer hätte gedacht, was da noch alles zustande kommen würde. Aber dazu später mehr. 

Als Daniel dann beim Mittagessen meinte, ich dürfe am Nachmittag mit einer Track-Karte raus zur Strecke, war mein erstes Highlight des Weekends gesichert. 

Als kleine Gruppe breit grinsender Fans machten wir uns vor dem zweiten Training auf den Weg zum Omega, dem mit Abstand besten Zuschauerpunkt des Sachsenrings. Schon vom Paddockbereich aus hat man eine tolle Sicht auf die Strecke. Wenn man dann aber auf der inneren Seite des Omegas bis ganz nach vorne zum Scheitelpunkt der Kurve gehen kann bieten sich einem Bilder, die man so schnell nicht mehr vergisst. Ja, es ist eindrücklich, wenn man die Schräglagen in den ultra langsamen Slowmotions im TV sieht. Wenn man aber nur wenige Meter von den Curbs weg die Fahrer auf ihren Maschinen beobachten kann, wenn man die fast unmögliche Schräglage eins zu eins vor Augen hat und sieht, wie sie mit Knie und Ellbogen den Asphalt berühren, dann vergisst man für ein paar Sekunden den Rest um sich herum und ist einfach nur überwältigt. Überwältigt von der Perfektion, mit der jeder einzelne Fahrer unterwegs ist. Tempo, Linie, Schräglage, Blickführung, Bremspunkt - würden die Fahrer nicht unterschiedliche Kombis haben, könnte man sie anhand dieser Punkte wohl kaum unterscheiden. Runde für Runde fährt jeder Pilot die praktisch identische Linie. Das ist wirklich Fahren am Limit. 

Ich war so vertieft in diese Bilder, dass ich es kaum bemerkte, als der Rest der Truppe sich schon wieder auf den Weg zurück machte. Kaum zurück im Paddockbereich lief mir schon die nächste Gruppe bekannter Gesichter entgegen: Bruno Streuli, Charly Stutz und einige andere Mitglieder von Domi’s Sponsoren-Club. In neuer guter Begleitung ging’s wieder raus auf die Service-Road, diesmal aber direkt bei Start/Ziel und der ersten Kurve. Wir warteten, bis die Moto2-Jungs ihre ersten Runden fuhren und ich staunte nicht schlecht, als Domi winkend mit einem Wheelie aus der Boxengasse an uns vorbei fuhr. Hätte mir vor 10 Jahren, als ich die ersten Rennen am TV verfolgte, jemand gesagt, dass ich das einmal live erleben würde – ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. 



Jason Dupasqiuer  – der Star von morgen?


Mit einer Überdosis Beeindruckung machten wir uns nach dem Training auf den Weg zu einem weiteren Star des Weekends: Jason Dupasquier. Der 14-Jährige Schweizer war im Rahmen des North European Moto3 Cups (NEC) ebenfalls am Sachsenring mit dabei. Der Nachwusrennfahrer überzeugt auf ganzer Linie – kein Wunder bei dieser Familie: Vater Philipp Dupasquier ist ein erfolgreicher Schweizer Motocross Fahrer, Jason's kleiner Bruder sowie seine ältere Schwester sind ebenfalls auf Erfolgskurs in Sachen Motocross und Supermoto und Mama Andrea hat als Familien-Managerin einen 24/7 Job. Jedes Wochenende ist die Familie auf der Rennstrecke unterwegs und während Jason am Sachsenring sein Bestes gab, war Vater Philipp mit dem kleineren Bruder an einem Motocross Rennen unterwegs. Kein Problem für Jason: der Junge zeigt eine unglaubliche Reife und Disziplin. Wir konnten ihn beobachten, wie er sich vor dem ersten Qualifying am Freitag vorbereitete. Jeder Handgriff sitzt, Kombi, Helm, Getränke und alles, was man als Rennfahrer so braucht, wurde perfekt vorbereitet. Fast, als wäre er schon einer von den Grossen. Von denen, die im Paddock nebenan unter vergleichsweise Luxusbedingungen und ganzen Teams von Mechanikern und Supportern ihre Rennen bestritten. 

Jason war genau so fokussiert und motiviert, nur dass er sich nebenbei nich selber am Motorrad zu schaffen machen musste. Und das nicht in einer Box, wie es die Mechaniker der MotoGP-Stars nebenan machten. Er stellte sein Motorrad zusammen mit einem Freund und Mechaniker in einem Zelt, neben dem Wohnmobil auf die Qualifikation ein. 

Ja, der Junge hat eine vielversprechende Karriere vor sich.

 

Der Tag neigte sich schon dem Ende zu und ich hatte ja noch eine abenteuerliche Heimfahrt vor mir. Ich holte also mein Hightech-Bike und fuhr los. Ins Detail möchte ich jetzt nicht gehen, was die Fahrt angeht. Nur so viel: nicht alles, was auf Google Maps als Weg vermerkt ist, ist auch wirklich befahrbar. 

Verschwitzt und vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen verdreckt kam ich endlich in Limbach an und war für nicht mehr viel zu gebrauchen. Tom’s Homepage wurde natürlich noch geupdatet, dann war’s auch schon Zeit für die Heia. 



Meeting People, having Fun

Samstags ging’s wieder früh los – mit dem Taxi, höhö. Ganz unsportlich kam ich bequem in der Hospitality an und traf bald schon auf Kevin und seine Begleiter. Die gute Stimmung kam bei ihnen definitiv nicht zu kurz und das ist es genau, was ich an Fans und Freunden des Motorsports mag. Immer gute Stimmung, alle sind sie freundlich und offen. Wir kamen schnell in’s Gespräch und als sie erfuhren, dass ich den Ankerberg noch nie live erlebt hatte, beschlossen wir, das am kommenden Abend zu ändern. Worauf hatte ich mich da bloss eingelassen...

Erstmal waren aber noch Training & Quali auf dem Plan. Schon bald Zeit für's dritte freie Training, das ich mir vom Dach der Hospitality aus ansehen wollte. Mit direkter Sicht auf die Boxengasse und Start/Ziel Durchfahrt! 

Doch da war diese Anfrage von zwei Jungs aus der Schweiz, die Sonntags unbedingt zum Rennen kommen wollten. Ich sollte noch Tickets für sie besorgen. Kurz zum Ticketschaltet - ja nee is klar. 

Dieser war fast am anderen Ende des Geländes. Da angekommen wollte ich mir zwei der letzten Tickets sichern. Wenn da nicht dieses Bargeld gewesen wäre, das ich natürlich nicht dabei hatte. Sparkasse? Die nette Dame erklärte mir den Weg dahin: "Sie gehen alles gerade aus die Strasse runter. Dann der Strecke entlang, bis zum Kreisverkehr. Da links kurz den Berg hoch, dann rechts. Weiter bis zum Bahnhof, daran vorbei und links die Strasse rauf. Rechts in die 30er Zone rein und da ist der Geldautomat." Ich guckte nicht schlecht aus der Wäsche. Zurück zum Paddock um das Training anzuschauen oder Gutes tun und Tickets besorgen? Ich entschied mich für Letzteres. Ich erspare euch die Details, aber 1.5 Stunden später stand ich verschwitzt und mit zwei T2-Tickets wieder im Paddock. Kurz was essen und bald stand auch schon die Qualifikation an. Wieder lief ich Kevin und seinen Freunden in die Arme. Ich schloss mich ihnen an und wir gingen, zusammen mit Alexandra, einer sehr netten Mitarbeiterin von Sigi, mit der ich mich schon nur wegen unseres gemeinsamen Lockenkopfs gut verstand, auf den Weg zum Omega. 

Die Qualifikation an sich ist ja schon spannend. Sie live an der Strecke anzuschauen ist schon eine andere Sache - die Quali aber zusammen mit Familie und Freunden eines Rennfahrers am schönsten Punkt des Sachsenrings zu verfolgen, ist eine Klasse für sich. Man schaut nicht nur zu, wie sie vorbeifahren und auf welcher Platzierung sie sich herumtreiben. Nein, man analysiert jede Bewegung der eigenen Lieblinge da draussen auf der Strecke. Welche Linie fahren sie im Vergleich zu den anderen? Wie legen sie das Motorrad aus der einen Kurve in die andere um? Wie schalten sie, wie legen sie die Hand an den Gasgriff und die Bremse? Kleiner Wink zum SRF: das wäre mal einen Livekommentar wert.;-)

Leider brachten alle Analysen nicht viel, die Quali-Resultate liessen zu wünschen übrig. Auch die Pressekonferenz, an der ich wenig später in der Hospitality teilnahm, machte nicht allzu viel Hoffnung. Trotz der schwierigen Verhältnisse spürte man aber den Kampfgeist regelrecht und wie immer machten Tom und Domi das beste aus der Situation, legten ihren Fokus auf Erholung und das Rennen am Tag danach. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0